Was ich an meiner Arbeit als Business-Coach nicht mag

Erst musste ich ewig lange nachdenken, dann sind mir immerhin zwei Punkte eingefallen, die ich an meiner Arbeit als Business Coach nicht mag. Etwas weiter gedacht kamen dann die richtig fetten Fische zum Vorschein. So fette Fische, dass zumindest ein Punkt einen eigenen Beitrag verdient. Solltest du also offene Enden nicht mögen, lies den letzten Absatz lieber nicht.

Was ich an meiner Arbeit als Business-Coach nicht mag:

  • Unklare Besitzverhältnisse von Problemen
  • Der arme „Coach“
  • Mobiltelefone

Verantwortung, Zuständigkeiten und Besitzverhältnisse von Problemen.

Es erstaunt mich immer wieder, nervt mich manchmal richtig, aber glücklicherweise tappe ich nur noch selten in die Falle. 
Es gibt Coachees die kommen, schildern ihr Thema, lehnen sich anschließend zurück und schauen mich erwartungsvoll, fast provokativ an. Fehlt nur noch, dass sie sagen „Nu guck, wie du klar kommst, ich hole die Lösung in zwei Stunden ab“. Sowas macht mich einigermaßen fassungslos. Früher hat man mich damit auch kriegen können, denn ich hab vor lauter Erstaunen eine Weile gebraucht, bis ich gemerkt habe, hier läuft was ganz ordentlich schief.

Ich werde heute zwar immer noch grummelig, lehne mich dann aber einfach auch zurück, verweigere den „schwarzen Peter“ (darf man das noch sagen oder ist das heutzutage auch verboten?) indem ich etwas Banales sage und grinse heimlich in mich hinein, beim Anblick des verdatterten Gesichts gegenüber. Das Ding mit der Verantwortung hätten wir geklärt, wir können arbeiten.

Der Begriff „Coach“ und wofür er alles herhalten muss.

Ich ziehe in Betracht, dass die oben benannte Spezies gar nichts für dieses interessante Verhalten kann. Schließlich wird der Begriff „Coach“ inzwischen für ein buntes Allerlei an Schaurigkeiten verwendet. Wie könnte man jemandem eine solche Erwartungshaltung vorwerfen, wenn man an beinahe jeder Ecke (real wie virtuell) von „Coaches“ mit wahren Zauberformeln lesen kann die innerhalb kürzester Zeit, wenn nicht noch kürzer, Wohlstand, Glück und nie endenden Reichtum bewirken. Mit Erfolgsgarantie! Natürlich! Was auch sonst. 

Keineswegs besser machen es die, die eine lupenreine Beratung als Coaching verpacken weil… klingt besser, ist IN oder was weiß ich. Ich warte noch auf sowas wie Haarcoaching. Wie soll man bei all dem Kuddelmuddel als Mensch mit Problem, Herausforderung oder Mist an der Backe da noch durchblicken.

Das nervt mich an meiner Arbeit als Coach! Wikipedia weiß, wie immer wie es wirklich geht.

Ich hasse Mobiltelefone!

OK, das hat nichts mit der Arbeit als Coach zu tun nicht einmal mit Selbständigkeit – es ist viel mehr so eine Grundsatzfrage. Ich liebe mein iPhone! Es ist beinahe schon ein Familienmitglied, darf fast überall mit hin und schwächelt es, wird es mir ganz schwummrig. Ja was denn nun, fragst du dich vielleicht. Ich gebe zu, ich wollte nur eine reißerische Headline. Richtiger wäre, ich hasse die Erwartung ständiger Erreichbarkeit.

Es fängt schon damit an, dass ich nicht gerne telefoniere. Bereits das Klingeln des Telefons macht mir schlechte Laune. In 95 % aller Fälle reißt es mich aus etwas raus, in das ich mich nachher mühsam wieder reinfuchsen muss. Anstrengend! Getreu dem Motto, irgendwas ist ja immer, freue ich mich dennoch über diese wunderbare Erfindung und manchmal ist ja auch was Nettes am anderen Ende.

Nennt mich ruhig altmodisch aber telefonieren heißt für mich auf dem Festnetz anrufen! Das ist der einzige Kanal, über den ich fernmündlich schnacken will. Bis heute bedeutet ein Anruf auf dem Handy für mich es eilt, Holland ist in Not, ich hab den Kopf unterm Arm und brauche dringend Hilfe. Mit dieser Annahme scheine ich aber alleine dazustehen, denn in weniger als 5 % aller Anrufe handelt es sich um einen solchen Fall. Das freut mich einerseits aber… dann ruf doch verdammt nochmal auf dem Festnetz an. Denn…

Handy bedeutet für mich, ich bin unterwegs. Unterwegs sein bedeutet wiederum, ich hab was zu tun oder ich bin im Gespräch. Im Gespräch zu sein bedeutet vor allem eines, ich will nicht telefonieren. Ich finde es respektlos, ans Telefon zu gehen, während ich in einer Verabredung bin. Natürlich, wenn man was Dringendes erwartet, ein Notfall, krankes Kind… selbstverständlich kein Problem. Ein einfacher Schnack ist für mich ein Problem. Da bin ich spießig uns zwar gerne! Fazit: Ich gehe nicht ans Handy, wenn ich unterwegs bin, und rufe von unterwegs auch nur jemanden an, wenn das die einzig mögliche Gelegenheit ist.

Ich könnte jetzt auch noch von meiner Hochsensibilität anfangen und wie nervig und kräftezehrend Hintergrundgeräusche für mich sind aber das lasse ich jetzt.

Ich liebe mein iPhone. Es ist mein kleiner Rechner für die Hosentasche und schenkt mir ein Stück meiner so sehr geliebten Freiheit. Auch die Freiheit nicht ran zu gehen weil meine Aufmerksamkeit gerade jemand anderes gehört, vielleicht ja sogar dir. Aber niemals nicht wird mein iPhone ein Werkzeug ständiger Erreichbarkeit also freunde dich entweder mit meiner Mailbox an oder… ruf auf dem Festnetz an.

PS: Da ist es jetzt wohl mit mir durchgegangen. Tut mir leid. Die Kurzform wäre gewesen: Ich mag es nicht, wenn andere Menschen von mir ständige Erreichbarkeit erwarten und dann rumgrummeln weil sie mich auf dem Handy nie erreichen. Vielleicht noch, dass ich es nicht mag, dass man mich zum Schnacken auf dem Handy (also unterwegs) anruft anstatt auf dem Festnetz.

PPS: Da kommen mir doch glatt zwei Ideen.
1.) Ich starte ein Offensive „Witzige Mailboxsprüche“, dann freuen sich die Leute künftig, weil sie die Mailbox dran haben.
2.) Ich führe eine Schnacknummer ein. Da ruft man an, wenn man nur plaudern will, auf der anderen, wenn man doch mal den Kopf unterm Arm statt auf dem Hals trägt. Blöde Idee, denn das wäre ja mit der Privatnummer schon gegeben und das funktioniert nicht. Daraus ergibt sich Idee Nummer 3). Ich bekomme eine Ansage „Wollen sie Schnacken, Plaudern, Quatschen, drücken Sie bitte die Zwei. Ist es wichtig, kurz, knapp und knackig, drücken Sie bitte die Eins.“ Gefällt mir. Weiß jemand, wie man sowas einrichtet?

Dafür dass mir erst gar nichts eingefallen ist, was ich an meinem Job als Business-Coach nicht mag, habe ich mich jetzt ordentlich in rage geschrieben.

Eigentlich wollte ich auch noch etwas zum Thema „Kleines Geld“ oder „Das macht dir doch Spaß“ schreiben. Ich habe es auch geschrieben, aber nach knapp 1.000 Wörter allein zu diesem Punkt wurde mir klar, dass Thema hat gerade zu viel Ladung und zu viele Facetten. Es sprengt diesen Artikel. Außerdem ist es so wichtig, es hat einen eigenen Beitrag verdient. Aufträge, die nicht angemessen honoriert werden, die regen mich nämlich sowas von auf. Es hat so viele oft unbemerkte Auswirkungen gerade als Trainer*in, wenn wir bereit sind, für Tagessätze jenseits der Schmerzgrenze aktiv zu werden. Abgesehen davon regt mich am meisten auf, dass ich viel zu selten einfach „NEIN“ sage und das OHNE, mit der Wimper zu zucken oder drei Tage Bauchschmerzen zu haben. Dazu aber ein anderes Mal mehr.

Bis zum nächsten Beitrag
Britta & Herr Pöppel