Das Riemann-Thomann-Modell, nur ein unzulänglicher Versuch… #03

Traurig aber wahr, am Ende ist auch das Riemann-Thomann-Modell nur ein unzulänglicher Versuch, menschliche Komplexität abzubilden und begreifbar zu machen – ein Modell eben. 

Das Bestreben, andere Menschen in ihrer Einzigartigkeit verstehen zu wollen, scheint so alt wie der Urknall. Bereits in der Antike wurde mit Typologien gearbeitet und bis heute scheint es, als sprießten täglich neue Modelle aus dem Boden. Dabei ist egal, wie gut diese sind, am Ende sind es doch NUR Modelle. Da kommt eine Wundertüte von Mensch daher, in vielem Anderen ähnlich und dennoch einzigartig, wie könnte ein Modell dem umfänglich gerecht werden? Richtig. Gar nicht.

Das muss es auch nicht, finde ich. OK, die von der Wechselseite haben leicht reden. Mit dem Streben nach Sicherheit und Eindeutigkeit, kann einen die Unzulänglichkeit des Modells schonmal auf die Palme bringen. Erst erfährt man viel, wähnt sich auf der sichereren Seite und ZACK… am Ende scheint doch alles ganz anders und man weiß viel weniger als vorher. 

Ja genau! Und… genau das ist ein gutes Zeichen. Nämlich das Zeichen dafür, dass sich jemand auf die Suche begeben hat, auf Spurensuche nach sich selbst. Wie sollte diese sonst beginnen, wenn nicht mit Verwirrung? Wandel kann nur in Zuständen der Instabilität entstehen. 

Ob nun Riemann, Profile Dynamics oder das Team Management System (um mal meine Liebsten in einem Satz genannt zu haben), am Ende sind sie lediglich eine Einladung. Eine Einladung, dich und andere in ihrer Ähnlich- und doch Einzigartigkeit zu erkennen. Kein Modell könnte die Individualität eines Menschen sicher und 100%ig abbilden. Stellt euch mal vor, wie schrecklich und vor allem langweilig wäre das denn. Aber da hat der Wechsel wieder leicht reden. 

Ich sehe das so. Man kann ein Persönlichkeitsmodell auf zwei Weisen betrachten.

  • Eine Einladung in Schubladen zu denken. Das ist einfach, schnell, kurzfristig vielleicht auch hilfreich, wenn es nur darum geht anderen einen Stempel aufzudrücken. Und das Bedürfnis zu stempeln, das scheint mir in der Welt gerade… sagen wir, leicht übersteigert.
  • Als eine Einladung, eine spannende Reise anzutreten. Sich auf den Weg zu machen, eine Wundertüte zu entdecken. Ob das nun das Erkennen des eigenen Selbst oder des DUs ist, spielt keine Rolle. Ohne Dich gibts eh kein ich und ohne ich kein dich und… lassen wir das, das sprengt doch nur meine 500 Worte.

Lange Rede kurzer Sinn, die Arbeit mit Riemann, die echte Arbeit mit Persönlichkeitsmodellen braucht Mut und Geduld. Man muss den Arsch in der Hose haben, in den Spiegel zu schauen. Zu erkennen, ich bin viele, einige besonders und ich bin mal so und mal so. Der Schatz liegt darin, die Muster zu erkennen – wann bin ich so, wann so. Welche Situationen sind das und DANN kommt das Beste: Ist es OK für MICH, dass das so ist? 

Ja? Wunderbar, genau so lassen.

Hätte ich es gerne anders? Wunderbar, dann kennst du jetzt deine Auslöser und hast die Wahl – nimmst du die blaue oder die rote Pille?

All das braucht Zeit, Beobachtung und Reflexion. Das ist nicht mal eben mit dem Lesen eines Buches oder dem Besuch eines 2-Tages-Seminares abgefrühstückt. Manch einer verbringt dafür Jahre sitzend auf einem Berg, andere studieren jahrelang Riemann, sich selbst und die Anderen. 

Und du? Bist du so mutig, dir selbst zu begegnen?

Sorry liebe Lesende der Dauer. Ich halte es heute mit dem Wechsel, was schert mich meine Regel von gestern. Heute besagt sie: Es müssen genau 588 Wörter sein. 😉

PS: Und natürlich ist Riemann das Beste aller unzulänglichen Modelle. Aber das dachtet ihr euch sicher schon. 😉

Anzahl der Wörter: 588
Den Hintergrund, die Regeln dieses Projektes kannst du im ersten Beitrag zu Fritz & Ich nachlesen.


Fritz & Ich ist ein Projekt, welches im Januar 2021 von mir ins Leben gerufen wurde. Es geht um meine alltäglichen Erfahrungen mit dem Persönlichkeitsmodell von Fritz Riemann, nach seinem Longseller „Grundformen der Angst“. Ich belege hier meine persönliche These „Ein Leben ohne Riemann ist möglich, aber sinnlos“* und teile mit euch Gelegenheiten, Momente und Erfahrungen des Alltags in denen mir Fritz und sein Ansatz hilfreich zur Seite stehen.

*Das Original Zitat von Loriot lautet: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“


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