Selbst wenn wir Lilith (den schwarzen Mond) in unserem Horoskop verstehen und wissen, was sie in Zeichen und Haus bedeutet, bleibt ihre eigentliche Bedeutung oft schwer zu fassen. Es ist als würden wir zwar die Worte verstehen und doch nicht begreifen – als würde uns etwas daran hindern, dass die Essenz wirklich zu uns durchsickert. Kennst du das auch?
Ich habe mich die letzten Wochen und Monate viel mit Lilith und ihrer Bedeutung in der Astrologie auseinandergesetzt, aber vor allem damit, was es bedeutet, wenn wir unseren inneren Lilith-Anteil wirklich leben wollen.
Was braucht es, um die wilde, natürliche, starke und unabhängige Seite in uns zu befreien? Den Anteil, der nicht „Ja“ sagt, obwohl sie nein meint. Die, die nicht ständig auf der Jagd nach Anerkennung ist und dafür ihre Werte und manchmal sogar die eigene Würde verrät. Wie können wir mutig genug sein, uns so zu zeigen wie wir sind, anstatt einem Systemanspruch zu folgen, der letztlich nur unsere Gefälligkeit will. Dem Thema will ich mich in einer kleinen Blogartikelserie widmen und wir starten heute damit, wer Lilith ist und was sie nicht ist – Liliths Bedeutung in der Astrologie und was es braucht, um sie wirklich leben zu können.
Darum geht's in diesem Beitrag
Wovon spreche ich, wenn ich hier von Lilith spreche?
Astrologisch betrachtet ist Lilith ein sensitiver Punkt in unserem Horoskop der uns etwas darüber erzählt, wo wir lebendig, ungezähmt und ganz wir selbst sein wollen und uns doch, um Zugehörigkeit nicht zu gefährden, anpassen.
Im Leben repräsentieren diese Eigenschaften einen Persönlichkeitsanteil in uns, den wir alle haben, der aber unterschiedlich stark zum Ausdruck kommt.
Die Beschäftigung mit unserem Geburtshoroskop und den astrologischen Prinzipien kann uns dabei helfen, diesen oft unterdrückten Anteil wieder mit Leben zu füllen, um unserer Individualität Ausdruck zu verleihen, anstatt uns selbst immer wieder auszubremsen, um bloß nicht anzuecken.
Ob astrologisch betrachtet, oder im wahren Leben, in beiden Fällen ist dieses Thema komplex und vielseitig. Eine Facette zieht unweigerlich eine andere nach sich und so schien es, als würde es umso komplizierter werden, je mehr ich mich damit befasse. Das Thema Rebellion, mit dem Lilith meist gleichgesetzt wird, führte direkt zur Wut, zu Kampf um Würde und Abgrenzung, vom Patriarchat zum Matriarchat bis hin zum Männerhass und allem, was damit zusammenhängt.
Meine unbequeme Wahrheit gleich vorweg, Lilith hat mit all dem nichts zu tun. Nicht im Kern, nicht in dem worum es wirklich geht. All das sind Symptome, Außenwirkungen und Konsequenzen. Was Lilith von uns möchte, das ist sehr viel schwieriger und leider auch schmerzhafter – und deswegen so unglaublich schwer zu fassen.
Bevor wir weitergehen, eine klare Abgrenzung:
In diesem Beitrag geht es um innere Haltung im Alltag. Um die kleinen Momente, in denen wir uns selbst verraten, um dazuzugehören.
Nicht um die Relativierung von Gewalt. Körperliche oder seelische Übergriffe sind durch nichts zu rechtfertigen, und Verantwortung liegt niemals bei den Betroffenen.
Und es geht hier auch nicht um gesellschaftspolitische Schlagabtausche, sondern um die Frage, wie wir unsere Würde im Kleinen zurückholen.
Auch will ich in diesem Artikel weniger über astrologischen Facetten schreiben, stattdessen das Thema allgemein beleuchten und so überhaupt erst eine Basis legen, damit Lilith in deinem Horoskop, ihrer Zeichen- und Hausposition greifbar für dich wird.
Lilith in der Astrologie: Rebellion, Widerstand und Männerhass?
Wenn ich mich gelegentlich in den sozialen Medien und Nachrichten verirre, dann scheint mir die Kluft zwischen den Geschlechtern immer größer zu werden. Femizide, Gewalt gegen Frauen und Männerhass muss ich nicht wirklich suchen, sie springen mich quasi an, und das viel zu oft, um noch eine Ausnahme zu sein..
In der Mythologie, oder besser im späteren Teil der Mythologie, wurde Lilith zur Dämonin deklariert die Männer verhext und ihnen natürlich nur Böses will.
Lese ich neuere Texte über Lilith, beziehungsweise über Frauen die sich nicht selbstverständlich unterordnen, geht es ziemlich schnell um Rebellion und Widerstand gegen die Unterdrückung durch Männer oder männliche Prinzipien.
Seit ich neulich ein Hörbuch („Die Wut, die bleibt“ von Mareike Fallwickl) zum Thema gehört habe und mir auf dieser Basis weitere Titel empfohlen werden, merke ich erst, wie viel Literatur es dazu gibt. Ich bin noch unschlüssig ob mich das erschreckt oder begeistert. Denn sich mit der Thematik auseinanderzusetzen finde ich großartig, es immer auf die Männer zu schieben… naja, das finde ich nur so semi hilfreich. Dazu gleich mehr beziehungsweise in der folgenden Lilith-Blogartikel-Serie.
Im direkten Austausch mit anderen ist das auch nicht anders: Wir müssen uns gegen die Männer wehren, scheint der gemeinsame Nenner ausschweifender Diskussionen.
Nö!
Entschuldige mein provokantes Nö. Natürlich finde ich, dass Menschen sich wehren sollen, wenn Unrecht geschieht. Ehrlich gesagt, ich wage sogar zu behaupten, niemand vertritt das mehr als ich, denn hui… ich kann bei solchen Dingen, sowas von giftig werden.
Und ja, manchmal muss man auch einfach meckern, sich auskotzen und Anklagen kann wunderbar entlasten und Druck ablassen.
Ich finde allerdings auch, dass es das Thema unbedingt wert ist, dass wir wirklich etwas daran ändern und dann braucht es meiner Meinung nach einen genaueren Blick auf das, was da geschieht. Einfach nur einen Sündenbock zu finden und ihn zu beschimpfen bringt uns nicht weiter. Wenn sich wirklich etwas verändern soll, dann dürfen wir uns auch an unsere eigene Stärke erinnern und sie zeigen.
Ich bin gegen jede Form der Unterdrückung, des klein Haltens, der Anpassung nur um gemocht oder geliebt zu werden! Auch das Geschlecht, Alter, Herkunft ist mir dabei völlig schnuppe. Egal wer oder was, jeder sollte mit der Würde behandelt werden, die uns zusteht – einfach weil wir sind. Nicht weil wir so schön angepasst und gefällig sind.
Ja, Lilith steht im Horoskop und als inneres Teammitglied, für den Teil, der rebelliert, sich behauptet und gerade macht, wenn Unrecht geschieht. Zumindest, wenn wir diesen Teil nicht unterdrücken.
Das ist aber nicht das, worum es Lilith geht, das ist lediglich die Reaktion auf die Verletzung ihrer Würde.
Fazit: Lilith ist nicht Männerhass! Lilith kann Rebellion aber es ist nicht das, was sie anstrebt, und damit kommen wir zur eigentlichen Thematik von Lilith oder von uns, wenn wir zu einem starken Mensch mit Haltung, Mut und Würde werden wollen.
Worum es bei Lilith wirklich geht – ihre eigentliche Bedeutung
Sprechen wir von Lilith in der Astrologie oder dem inneren Persönlichkeitsanteil, der von ihr als Archetyp repräsentiert wird, dann sprechen wir in erster Linie von Natürlichkeit, von Instinkt, einer natürlichen lustvollen Weiblichkeit (auch in Männern), von der Selbstverständlichkeit, unsere Wünsche und Bedürfnisse zu leben. Wir sprechen von Autonomie in ihrer schönsten Form, nämlich der Selbstbestimmung und des freien Willens.
Lilith ist weder stark noch schwach, sie ist der Teil in uns, der nicht um Erlaubnis bittet. Der nicht prüft, ob er willkommen ist, bevor er spricht, und nicht erst abwartet, ob Applaus kommt, bevor er sich zeigt. Sie folgt keinem Image und keiner Strategie, sondern ihrem eigenen Rhythmus. Damit ist sie heute vielleicht die taffe Frau und morgen anlehnungsbedürftig, immer aus sich heraus und nicht, um Erwartungen zu erfüllen. Wie der Mond mal hell leuchtet und dann wieder nicht zu sehen ist.
Und genau hier beginnt die Herausforderung, denn in unserer Zeit ist es alles andere als selbstverständlich, diesem natürlichen Anteil Raum zu geben. Nicht weil wir etwas bekämpfen müssten, sondern weil wir gelernt haben, uns anzupassen.
- Erlaubst du dir wirklich, heute schwach und morgen stark zu sein, ohne dich dafür zu verurteilen?
- Relativierst du deine Fähigkeiten, damit du nicht überheblich wirkst?
- Schluckst du einen Impuls herunter, weil er vielleicht anecken könnte?
Lilith zu leben bedeutet in erster Linie, sich selbst mit Würde zu begegnen und dem eigenen inneren Rhythmus zu vertrauen, statt sich ständig an äußeren Erwartungen auszurichten.
Kommen wir zur vielleicht schwierigsten Thematik.
Strebst du nach Anerkennung? Nach dem bewundernden Blick, dem Lob, dem Daumen hoch, dem besonderen Titel? Das ist zutiefst menschlich und gleichzeitig zeigt sich genau hier, wie sehr wir uns von äußerer Bestätigung abhängig machen können.
Eine gelebte Lilith wartet nicht auf Applaus, bevor sie Haltung zeigt. Sie kennt ihre Werte und vertritt sie, ob mit oder ohne Beifall. Nicht aus Trotz oder Rebellion, sondern aus Selbstverständlichkeit.
Vielleicht ahnst du inzwischen, warum jede Form von Gleichberechtigung in uns selbst beginnt. Damit, unsere Werte zu kennen und zu vertreten, Lust zu leben und Grenzen zu benennen, wenn sie überschritten werden. Freundlich mit uns selbst zu sein und dem eigenen Urteil zu vertrauen, auch wenn es keine Zustimmung von außen gibt.
Und das ist der wahre Kern und leider auch Schmerz. Denn jedes Mal, wenn wir eine Grenzverletzung zulassen, müssten wir uns eingestehen, dass wir unsere Stimme vielleicht nicht ausreichend erhoben haben. Vielleicht nicht bewusst, vielleicht aus Gewohnheit oder weil wir unsere eigenen Grenzen noch nicht gut genug kennen.
Zur Erinnerung: Ich spreche hier von den alltäglichen „Ja“s, die „Nein“ meinen, von den „ist ja nicht so schlimm“-Momenten und nicht von übergriffiger Gewalt, die ohne Wenn und Aber Konsequenzen verlangt.
Gerade weil die Welt nicht immer sanft ist, dürfen wir im Kleinen beginnen und unsere Haltung im Alltag üben. Ein klares „Nein“ im richtigen Moment wird die Welt nicht sofort verändern, aber es verändert uns. Und viele solcher kleinen, aufrechten Entscheidungen machen auf Dauer einen Unterschied. Erst in uns und irgendwann vielleicht auch darüber hinaus.
Von Mustern und Prägungen
Ob es eine gute Nachricht oder eine schlechte ist … vermutlich beides: Es gibt keine Übeltäter oder Schuldigen, wenn wir im Alltag einknicken und uns nur ein säuselndes „Nein“ oder Schweigen über die Lippen kommt.
Es steckt in unserer Geschichte, in den Mustern, in denen wir groß geworden sind und darin, wie wir als kleine Menschlein gelernt haben, sicher durchzukommen. Zugehörigkeit ist nicht nur ein Grundbedürfnis, sie ist lebensnotwendig. Sie anzustreben ist natürlich und gesund.
Was uns einmal geschützt hat, war klug denn Anpassung konnte Sicherheit bedeuten und Schweigen konnte Zugehörigkeit sichern.
Aber wir sind heute keine kleinen Menschlein mehr und nicht jedes alte Schutzmuster dient uns noch.
Vielleicht zeigt es sich in ganz banalen Momenten:
- Du formulierst eine Nachricht dreimal um, damit sie bloß nicht zu direkt klingt.
- Du lachst über etwas, das dich eigentlich verletzt.
- Du ziehst dich anders an, als du Lust hättest, um nicht aufzufallen.
- Du relativierst deine Meinung, bevor sie überhaupt jemand angegriffen hat.
- Du sagst „ist nicht so schlimm“, obwohl es dich trifft.
Es geht nicht um Revolution oder Drama, sondern um diese leisen, fast unspektakulären Momente, in denen wir uns selbst kleiner machen, als wir eigentlich sind.
Ein Lob tut gut, natürlich – das hört jede:r gerne. Und als Kind war Zuspruch ein Zeichen dafür, dass wir sicher sind aber heute sind wir in den meisten Fällen auch ohne diese Bestätigungen sicher. Oft genug schlägt das alte Muster dennoch Alarm, wenn Anerkennung ausbleibt, weil es noch nicht verstanden hat, dass wir längst nicht mehr in Gefahr sind.
Hier beginnt Verantwortung – nicht im Sinne von Schuld, sondern im Sinne von Freiheit. Wir dürfen bemerken, woher es kommt und wir dürfen Schritt für Schritt überprüfen, ob wir heute noch so handeln wollen.
Vielleicht ist ein erster Schritt, dich im Alltag zu beobachten. Wenn du auf Anerkennung hoffst, worum geht es dann wirklich? Ist es wirklich so schlimm, wenn sie ausbleibt? Was würde tatsächlich passieren?
Ich wünsche dir, dass du immer öfter feststellst: Es ist ein altes Muster. Und es darf sich langsam vom Acker machen.
Und noch einmal: Ich spreche hier von unseren alltäglichen Mustern, nicht von Gewalt oder Übergriffen. Wenn du merkst, dass es um mehr geht als um innere Gewohnheiten, dann hol dir bitte Unterstützung.
Lilith im Horoskop astrologisch betrachtet
Bevor wir das Thema im nächsten Artikel vertiefen, lass mich kurz noch einen Rahmen setzen, wie dich die Astrologie bei diesem Thema unterstützen kann. Die Thematik rund um eine natürliche Autonomie und damit Lilith zeigt sich überall in unserem Leben.
Ein Blick in dein Geburtshoroskop und auf das Zeichen, in dem der schwarze Mond steht, zeigt dir, bei welchen Eigenschaften – nämlich denen des Zeichens – du dieser inneren Thematik besonders ausgesetzt bist. Ein Teil von dir will es, es wäre deine natürliche Ausdrucksform, der andere Teil unterdrückt genau das, weil es Zugehörigkeit gefährden könnte. Das Haus, in dem deine Lilith steht, zeigt dir den Lebensbereich, wo du vermehrt in diesen (inneren) Konflikt gerätst.
Nach diesem Artikel ist dir vielleicht schon bewusst geworden, dass wir das, was unsere Lilith eigentlich will, gar nicht so gut erkennen, weil wir dann auch eingestehen müssten, was wir vielleicht seit Jahren unterm Deckel halten und das… das tut verdammt weh.
Auch lässt sich Lilith meiner Meinung nach nicht ohne unsere Wurzeln (Mond-Themen) betrachten, denn erst im Zusammenhang lässt sich deutlich erkennen, was wir tun, um Sicherheit zu gewinnen und damit unseren natürlichen und wilden Anteil verraten.
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dich das trifft, dann reicht es nicht, nur zu wissen, wo deine Lilith steht. Dann geht es um Arbeit, um Ehrlichkeit und um Haltung im Alltag.
Genau darum wird es in den nächsten Artikeln gehen, im Lilith-Workshop UNGEZÄHMT und meiner 1:1 Begleitung.
Wenn du dabei sein willst, trag dich in die ICHgerecht-Post ein. Kein Reklameblättchen, sondern echte Prozess-Impulse.






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