Darf ich Gefühle zeigen? Wenn das innere Alarmsystem „Nein“ sagt.

von Britta | 14.08.2026 | Persönliches

Dürfen andere sehen, wie du dich fühlst? Und gibt es einen Unterschied je nachdem, welche Gefühle gerade obenauf liegen? Wie sieht es aus mit den Menschen, die dich umgeben – wählst du aus, wer was sehen darf?

Bei mir ist das sehr klar geregelt: Freude und Begeisterung darf man sehen! Auch kleine Hängerchen dürfen sichtbar sein – und bis zu einem gewissen Grad sogar Wut. Gefühle zeigen ist also nicht grundsätzlich verboten.

Aber was tun, wenn es nicht um Alltagsgedöns geht? Wenn innen gerade einer der großen Stürme tobt?

In mir tauchte dieser Tage genau diese Frage auf: Britta, dürfen andere sehen, wie es dir gerade wirklich geht? Meine Antwort war sehr eindeutig. Nein! Niemals!

Eben las ich bei LinkedIn einen Beitrag, in dem sinngemäß stand: „Mach es doch einfach, zeig deine wahren Gefühle.“ So einfach ist es leider nicht immer. Manchmal mag es eine Sache des Erlaubens sein und manchmal steckt dahinter ein tief sitzendes Muster, das ganz klar sagt: "Nein!"

Von meinem Muster möchte ich dir heute erzählen. Dieser Artikel wird daher ein sehr persönliches Ding. Ein Experiment, ob ich über das Schreiben einen ersten mutigen Schritt wagen kann. Ich wage diesen Schritt ehrlich gesagt überwiegend für mich selbst, aber vielleicht schenkt er dir ganz nebenbei den Mut, deinem Thema damit nachzuspüren.

Der Hintergrund – die Phase, in der ich gerade stecke

Wenn du neu auf diesem Blog bist, dann lass mich dich kurz ins Boot holen. Seit einigen Jahren – und ich erschrecke immer etwas, wenn mir bewusst wird, wie lange das schon so ist – befinde ich mich in einem Wandlungsprozess. Eine übliche Bezeichnung dafür wäre wohl „ich stecke in einer Krise“. In der psychologischen Astrologie geht das oft mit einem Pluto-Transit einher. Es gibt auch andere unbequeme Transite, aber Pluto ist sowas wie die Königsklasse – Krise de luxe sozusagen. 😅

Ich erlebe diese Zeit nicht als Krise. Es ist düster, zermürbend und manchmal bin ich auch richtig genervt, aber für mich ist das deutlich mehr Chance als Krise. 

Das mag überraschen, und ich kenne wenige (keine?) Menschen, die einem totalen Einbruch freundlich die Tür öffnen. Ich schon, denn ich habe in meinem Leben einige dieser Phasen durchlebt und zum ersten Mal erlebe ich sie – der psychologischen Astrologie sei Dank – ganz bewusst und das verändert alles. Wie das Wissen um das, worum es geht, das Erleben einer Krise verändert, darum soll es in einem anderen Artikel gehen. Heute versuche ich mich an einem ersten kleinen Schritt, der mir in genau diesem Erkenntnisprozess vor die Füße gefallen ist.

Wenn Rückzug zum Schutz wird

Wenn du nicht neu auf diesem Blog bist oder mit mir über YouTube, den Newsletter oder gar persönlich verbunden bist – dann wird dir vielleicht folgendes aufgefallen sein: Es wurde zuletzt deutlich ruhiger mit meiner Präsenz im Außen. 

Der Youtube-Kanal hat Moos angesetzt, die ICHgerecht Post (Newsletter) zuckt immerhin noch und Social Media… na ja. 

Innerlich war ich allerdings überhaupt nicht weg. Ich ringe ständig mit neuen Videoinhalten und Texten. Ich hätte sogar mehr denn je zu sagen. Sogar ein Podcast formt sich seit Monaten.

Vielleicht ist es wie beim Bambus. Wenn man ihn sät, dann sieht man lange, lange, noch länger nichts… aber dann. Zumindest hoffe ich, dass es so ist, und vielleicht, ist das hier der erste Trieb nach der Transformation?

Versprechen tu ich noch nichts, denn noch ist Pluto an meiner Seite und ich habe schmerzlich gelernt, dass ich Youtube-Pläne zwar machen kann, sie dann aber sehr zuverlässig verpuffen. Ziemlich frustrierend. 

Pluto und Trauma

Vorweg, und das ist superwichtig, Pluto ist nicht gleich Trauma. Wir alle haben einen Pluto im Horoskop, aber zum Glück nicht alle ein Trauma an der Backe. Ich habe eins. 

Ich reiße das Thema nur kurz an, denn das wäre eher ein eigener Beitrag. 

Dass in mir ein kleines Trauma lebt (so nenne ich es neuerdings liebevoll: „das kleine Trauma“), weiß ich schon ein paar Tage länger. Wie in einer Art gepanzerter Glasvitrine steht es schon ewig mitten in meinem Leben. Ich weiß, dass es da ist. Ich sehe es aber nicht mehr. 

Wie ein Bild an der Wand. Eine Weile lang haben wir es bemerkt, uns daran erfreut und heute nehmen wir es nur noch selten bewusst wahr. Es ist einfach da.

So auch mein kleines Trauma. Es gab Zeiten, da habe ich wohl mal versucht, am Glas zu kratzen, aber da mir die Diamanten fehlten, gelang mir nicht einmal eine winzige Spur. 

Na gut, steht es halt da. War damals einfach so und ist heute ein Überbleibsel. „Souvenir“ ist mir dann doch zu viel des positiven Reframings.

In dieser letzten Phase meines (Pluto) Prozesses wurde aber offenbar still und heimlich die Tür geöffnet. Erst nur ein bisschen, gerade genug, dass erste Impulse heraustraten. Und inzwischen zeigen sich größere Bilder und vor allem Gefühle. Die Folge…

Ich studiere derzeit mit großer Begeisterung alles, was auch nur annähernd mit dem Thema Trauma und dessen Folgen zu tun hat. So erschließen sich mir gerade völlig neue Türen, Gedanken und Pläne (auch zu meinem liebsten Riemann-Modell) ergeben sich. 

Und… mein kleines Trauma sitzt ganz vorne in der ersten Reihe, studiert fleißig mit und sorgt dafür, dass ich die für uns relevanten Passagen auch nicht übersehe. 

Welch Überraschung – plötzlich zeigt sich, dass dieser Traumakasten überhaupt nicht einfach nur rumsteht. Das Ding hat massive Auswirkungen auf mein Leben und meinen Alltag. Ich hab mich schlicht nur daran gewöhnt. Fies. Wirklich fies. Es ist derzeit also mal wieder besonders emotional im Hause Ludwig.

Und dann stand dieses Thema im Raum: Wie das denn nun genau ist mit mir und meinen Gefühlen.

✅ Ich kann sie wahrnehmen

✅ Ich kann sie zulassen

✅ Ich kann sie analysieren (vielleicht sogar zu gut)

✅ Ich kann darüber sprechen

❌ Aber ich darf sie niemals zeigen! Sobald es tiefer geht: Nein!

Ich hab diese Erkenntnis gedreht und gewendet und es tauchten erschreckend viele Erinnerungen auf, die genau das bestätigten. Das war dann ein paar Tage ziemlich unschön und durchaus Krisenfeeling. 

Handeln wollen aber nicht können

Und dann wurde mir auch klar, warum ich zwar ständig über neue Artikel und Videos nachdenke, sie aber kaum umsetzen kann. Schon gar keine Videos, noch viel weniger Podcasts machen. Denn ich kann schlichtweg nicht sicherstellen, dass man mir nicht anmerkt, wie es mir geht. 

Ich bin nicht einfach faul. Es geht aus einem absolut sinnigen Grund nicht. In mir zieht etwas die Reißleine und zack… bin ich raus. Das zu erkennen, das ist tatsächlich auch erleichternd.

Jetzt, nach dieser Erkenntnis erscheint mir das alles völlig logisch. 

Halt. Stopp. Das stimmt so nicht!

Es war nicht die Erkenntnis, nicht das Wissen darum, dass ich eher Typ Eisprinzessin bin. Das wusste ich schon immer. 

Was jetzt anders ist, war dieses scheiß Gefühl. 

Jetzt war durch den gesamten Prozess dieser Zugang zu dem Elefanten im Raum (Trauma) plötzlich da und ich konnte/kann erst wirklich begreifen, was mir hinter Wissen und Verstehen allein nicht wirklich zugänglich war.

Wenn man schon als kleines Mädchen gelernt hat, emotional die Eisprinzessin zu geben, dann ist das so tief verankert, dass es sich nicht einfach willentlich anders machen lässt.

Das Fiese daran ist, dass ich ohne diese Erinnerung an diesen „alten Scheiß“ (wie ich ihn liebevoll nenne) ganz weit von mir gewiesen hätte, dass ich so eine innere Regel am Start habe. Denn es ist nicht so, dass ich das bewusst tue. Ganz im Gegenteil: Ich habe das Gefühl, es steht neonpink, leuchtend und blinkend auf meiner Stirn.

Kleines Beispiel. Es gibt ein Phänomen, das ich seit Jahren beobachte. Wenn ich körperlich richtig angeschlagen bin, aber doch zur Arbeit antrete, bekomme ich auffallend oft das Feedback, dass ich heute besonders frisch aussehe. Ich stehe dann jedes Mal da und bin maximal verwirrt. Denn ich halte mich eher mühsam aufrecht und was ich sehe, ist weit entfernt von frisch. Ich dachte mir, das ist vielleicht wie in der Natur, wenn ein verletztes Tier eine Art Tarnmodus aktiviert, um nicht als leichte Beute erkannt zu werden. Inzwischen scheint mir, da ist mehr Wahres dran, als ich anfangs dachte.

Da stehe ich nun und weiß natürlich – ich sage es ja selbst oft genug –, dass es absolut in Ordnung, sogar gut ist, Gefühle zu zeigen.

Selbst merke ich: Ich durfte es nicht, es war gefährlich, und ich habe das offenbar so verinnerlicht, dass ich es heute nicht mehr kann.

Na ja, dafür schickt das Leben ja die Krisen und Pluto-Transite – damit dieser alte Scheiß doch noch erkannt und endlich vom Hof gefegt werden kann. 

„Ich komme wieder“

Mein Lieblingssatz in den alten Filmen mit Arnold Schwarzenegger und ich denke, ich leihe mir den mal kurz.

Seit Wochen denke ich über die nächste Folge meiner kleinen Pluto-Artikel-Serie nach. Darüber, ob ich über dieses kleine Trauma in mir sprechen darf. Ob es fachlich wohl okay ist. Wissen und inneres Alarmsystem haben sich in der Wolle – „Ja. Mach, das ist gut“ versus „Niemals, das ist zu gefährlich!“

Nur wie soll ich weiter über Pluto sprechen oder mit ihm in meinen Coachings arbeiten, wenn ich seine Fachexpertise zum Tabu erkläre? Wie mit Lilith arbeiten, wenn die Blockade viel zu oft nicht das fehlende Wissen, sondern alte Überlebensstrategien sind?

Das ist doch alles halbherzig, aber vor allem ist es nicht echt und noch weniger hilfreich. Überhaupt finde ich es nicht nur blöd, sondern auch sehr hinderlich, wenn das Thema Trauma nicht benannt werden kann. 

Und dann erlebe ich gleichzeitig so widersprüchliche Dinge: Da wird eine schnell gefundene Selbstdiagnose PTBS mitunter erstaunlich selbstverständlich vor sich hergetragen.

Und andere erlauben sich wegen Gedanken wie „ach, das war doch nicht so schlimm“ und „andere haben Schlimmeres erlebt“ nicht einmal, dem eigenen Erleben mit Mitgefühl zu begegnen oder um Hilfe zu bitten.

Es ist wohl einfach schwierig. Vielleicht darf es das ja auch sein. 

Überraschung, Britta ist nur ein bisschen Eisprinzessin

Mein erster Schritt ist mit diesem Artikel getan. Ja, ich habe ganz bewusst diesen für mich am ehesten kontrollierbaren Weg über das Schreiben gewählt. Bis ich es damit ins Video schaffe, mache ich noch ein paar Trockenübungen und vor allem inhaliere ich weiterhin alles rund um das Thema Trauma und dessen Folgen. Es kommt mir nämlich vor, als hätte es bereits viele Jahre auf mich gewartet – das Thema und das kleine Trauma. 

Ich setze daher weiterhin darauf, dass mein digitaler Rückzug nur eine Art Bambus-Wachstumsphase war. 

Was rede ich eigentlich von Bambus, wo doch Pluto die perfekte Symbolik bereits im Gepäck hat:

🐛 🪺 🦋*

Ich komme demnächst also bestimmt wieder regelmäßiger hier im Blog vorbei – und auch auf YouTube. Der Riss im Kokon scheint stabil zu sein. Nur noch kurz rauskrabbeln, schütteln, die Frise richten und dann los. 

* Das Nest ist biologisch nicht ganz sauber. Emoji-technisch alternativlos. 😄


Entstehung & Unterstützung
Text: Britta Ludwig
Rechtschreibcheck & kritischer Blick ob ich mich hier zu nackig mache 😉: ChatGPT (Karl)
Beitragsbild: KI-generiert mit ChatGPT (Karl)

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Ich bin Britta – Britta Ludwig für Google und alle, die mich noch nicht kennen 😉. Mein Blog ist für Menschen, die mehr wollen als Alltagstrott. Hier geht es um psychologische Astrologie, Persönlichkeitsentwicklung und die Kraft echter Transformation.

Als Trainerin begleite ich dich dabei, Klarheit zu gewinnen, Blockaden zu lösen und deine Essenz radikal echt zu leben.