Homeoffice-Typologie mit dem Riemann-Modell

von | 27.01.2022 | Riemann-Modell

Eine kurze Phase ist es lange nicht mehr. Während die einen noch pendeln, haben andere das Büro längst fest in die eigenen vier Wände integriert. Von „Juchuuu“ und „Endlich“ bis zum mehr oder weniger lauten Fluchen ist alles dabei.

Das Arbeiten von zu Hause aus, ist in mancher Hinsicht schon knifflig genug. Zwingen uns auch noch unglückliche Umstände wie eine Pandemie dazu, macht es das nicht leichter. 

Was fordert das Homeoffice unserer Persönlichkeit ab? Wie gehen unterschiedliche Typen mit der Situation um? Was sollten wir bedenken und wie können wir typgerecht aus dem Homeoffice agieren? Willkommen bei der Homeoffice-Typologie mit dem Riemann-Modell.

Das Riemann-Modell

Fritz Riemann beschreibt in seinem Werk Grundformen der Angst vier Arten des in der Welt seins. Vier Grundstrebungen auf deren Basis wir bei all unseren Gemeinsamkeiten mit Anderen, auch ganz einmalige Individuen sind. 

Jeweils zwei Strebungen liegen sich gegenüber und bilden so das jeweilige Pendant des anderen. So ergeben sich zwei Achsen mit je zwei Polen.

  • Die Unabhängigkeit und die Verbundenheit.
  • Die Wandlung mit der Beständigkeit.
Homeoffice-Typologie-Riemann-Thomann-Modell

Du kennst die vier Pole vielleicht aus dem Riemann-Thomann-Modell, dort tragen sie die Bezeichnungen:

  • Distanz – Nähe
  • Wechsel – Dauer

Da ich immer wieder feststelle, zu welchen grundlegenden und nicht hilfreichen Missverständnissen diese Begriffe führen, nutze ich in diesem Beitrag die vier oben genannten Bezeichnungen.

Wichtig zu sagen ist, dass wir alle vier Grundstrebungen in uns vereinen, diese aber unterschiedlich ausgeprägt sind. So kommt es dazu, dass wir uns in vielem ähnlich sein können, dann aber doch wieder ganz anders sind. Individuen eben.

Wichtig ist mir auch zu betonen, dass wir nicht immer gleich handeln. Viel mehr wird unser aktuelles Handeln durch die Umstände und unser Umfeld bestimmt. 

Und da sind wir auch schon mittendrin, denn unsere Umstände sind derzeit eher… speziell. 

Los geht’s mit der Homeoffice-Typologie

Die Wandlung, der Wechsel im Homeoffice

Die Grundstimmung gegenüber dem Arbeiten aus den eigenen vier Wänden ist wahrscheinlich erstmal positiv. Lockt sie doch mit Möglichkeiten und vor allem Freiheiten. Denn niemals würde die Wandlung eine ihr dargebotene Freiheit ausschlagen. 

Da die Wandlung oft mit einem stattlichen Grundpaket an Kreativität ausgestattet ist, diese aber gerne Anforderungen stellt, um sich voll zu entfalten, kommt ein Homeoffice wie gerufen. Der inneren Uhr folgen können, im Schlafanzug in die Tasten hauen, laute Musik oder was auch immer die kreativen Geister weckt – in den eigenen vier Wänden lässt sich das meist sehr viel leichter umsetzen. 

Riemann-Thomann-Modell, der Wechsel, die Wandlung

So schön Freiheit und Wahlmöglichkeiten auch sind, manchmal sind sie echt tricky. Was, wenn es so viele verlockende Dinge gibt, die Wahl schwerfällt? Wenn die Kür so viel schöner als die Pflicht ist und die Deadline ach so fern scheint?

Haben wir nicht ausreichend Anteile unseres Gegenstücks Beständigkeit in uns oder die Struktur des Unternehmens schwappt auch aufs Homeoffice über, dann kann sich die Wandlung schnell in der Fülle der Möglichkeiten verzetteln. 

Neben der Arbeit an den richtigen Dingen fehlt der Wandlung meist auch irgendwann ein Grundmaß an Struktur. Die Arbeitszeiten verschwimmen, kein Anfang, kein Ende. Von ungebremster Prokrastination bis zum Workaholic ist alles drin. Beides ist auf Dauer eher suboptimal.

Sofern die Tätigkeit nicht den Kontakt mit anderen mit sich bringt, wird es im Homeoffice außerdem schnell zu langweilig, zu still, zu wenig Inspiration. Also begeben sie sich auf die Suche nach Begegnung und schon droht wieder die Verzettelung.

Was anfangs verlockend klingt, kann uns auf diesem Pol ordentlich ins Wanken bringen.

Was kann helfen? Auf keinen Fall Disziplin, Druck oder Zwang. Viel mehr eine wohldosierte Tagesstruktur. Eine, die Halt gibt aber auf keinen Fall einengt. Lieber klein anfangen denn mal ehrlich, ein zu viel, wirst du eh gleich wieder sprengen. 😉

Die Beständigkeit, die Dauer im Homeoffice

Wählt die Beständigkeit das Homeoffice von sich aus, ist alles fein. Sie richtet sich ein, schafft sich ihre Strukturen – läuft! 

Fordern es aber die Umstände, der Wandel der Zeit, dann ist hier eher nicht mit einem „Au Jaaa“ zu rechnen. Das fängt schon damit an, dass sich der Tagesrhythmus ändert. Der Arbeitsweg fällt weg und der ist nicht selten eine wichtige Zeit, um den Modus zu wechseln. Die pfiffige Beständigkeit kommt daher gerne auf die Idee, morgens einmal um den Block zu laufen, um ihren Arbeitsweg zu simulieren. 

Riemann-Thomann-Modell, die Dauer, die Beständigkeit

Leider geht es dann aber auch schon mit den Veränderungen weiter. Neuer Arbeitsplatz, nicht die gewohnten Werkzeuge und Abläufe… args… anstrengend. Über ein improvisiertes Homeoffice am Esstisch brauchen wir gar nicht erst zu reden. Dieser massive Eingriff ins Privatleben, keine gesunde Lösung, wenn wir auf dieser Seite sehr ausgeprägt sind. Arbeit und Privates hat diese Seite lieber fein säuberlich getrennt. Wie eigentlich alles am liebsten einer Ordnung folgt.

Im Gegensatz zur Wandlung hat die Beständigkeit überhaupt keine Probleme Arbeitszeiten auch zu Hause einzuhalten. Es gibt Anfang, Mittelteil und Feierabend. Auch Strukturen und Deadlines nehmen keinen Abbruch durch den veränderten Arbeitsort.

Auch schön, findet eine ausgeprägte Beständigkeit, dass einiges an Ablenkungen und Störungen wegfällt. Niemand steht einfach so neben einem, will was und sei es nur ein Schnack. Wie wunderbar. Also mal von Familie und Freunden abgesehen die meinen zu Hause zu sein, bedeutet auch Zeit zu haben. 😉

Ob die Beständigkeit im Homeoffice gut klarkommt, hängt also massiv von den Umständen ab. Ein Mal so, Mal so geht gar nicht. Kann sie sich einrichten und hat dieses Modell selbst gewählt, kann das prima funktionieren.

Die Verbundenheit, die Nähe im Homeoffice

Hier könnte ich mich kurzhalten: „Nicht ihr Ding“. Damit wäre eigentlich alles gesagt.

Das Element der Verbundenheit ist das WIR und fällt das weg, ist es, als würde ihr der Motor fehlen. Sie arbeitet einfach besser gemeinsam, im Dialog und sei es nur im gemeinsamen Energiefeld mit Anderen. Der kurze Schnack zwischendurch, das gemeinsame Denken, der Austausch ist ihre Kraftquelle. Allein im Homeoffice braucht sie daher deutlich mehr Energie, um zu erreichen, was sie sonst in der Gemeinschaft rockt.

Riemann-Thomann-Modell, die Nähe, die Verbundenheit

Erschwerend hinzu kommt, dass sie sich irgendwann einsam und abgeschnitten von der Welt fühlt. Auch nicht gerade ein Zustand, in dem man zur Höchstform aufläuft.

Vermutlich war es eine Verbundenheit, die das Co-Working erfunden hat. Ein großer Raum, viele Arbeitsplätze, alle arbeiten vor sich hin, gemeinsamer Kaffee, mal ein Lächeln – läuft. 

Hätte die Wandlung vor lauter Eindrücken alle To-Dos längst vergessen, die Beständigkeit würde leise vor sich hin leiden, blüht die Verbundenheit in dieser Umgebung auf. Hach, ist das schön. 

Was also kann die Verbundenheit tun, wenn die Umstände ein Homeoffice unvermeidbar machen? Drumherum für Austausch und Kontakt sorgen. Vom virtuellen Co-Working, bis hin zum Buddy, mit dem/der man sich zwischendurch austauschen oder auch nur motivieren kann. Fotos aufstellen, es sich so persönlich wie irgendwie geht, gestalten.

Die Unabhängigkeit, die Distanz im Homeoffice.

Auch das wäre schnell erzählt: Sie hat’s erfunden!

Das Homeoffice ist wie das Einzelbüro bei geschlossener Tür (natürlich) nur noch besser. Stundenlang kann man in Ruhe vor sich nicht wirken und niemand stört. Wie bei der Wandlung spielt Freiheit und noch mehr Selbstbestimmung auf diesem Pol eine große Rolle und wo ginge das besser als in den eigenen vier Wänden. Ich bestimme wann, wie und wo. Herrlich.

Dank ihrer stark ausgeprägten Zielorientierung klappt das auch mit Struktur und Deadlines. So ist sie unter diesen Umständen sehr viel produktiver, als es ein normales Büro bieten könnte. Einen Arbeitsplatz mit anderen zu teilen, kommt der Hölle gleich und muss nicht extra erwähnt werden. 😉

Riemann-Thomann-Modell, die Distanz, die Unabhängigkeit

Was paradiesisch klingt, hat natürlich auch einen Haken. 

Die stark ausgeprägte Unabhängigkeit hat wenig intrinsisches Bedürfnis nach Nähe und einem echten Kontakt. Sie genießt es viel mehr, für sich zu sein und den eigenen Gedanken nachzuhängen. Es braucht schon ein ähnliches und interessantes Pflänzchen, damit sich daran etwas ändert.

Ein Arbeitsalltag gemeinsam mit anderen zwingt sie daher, sich dem DU oder gar einem WIR zu stellen. Das findet sie zwar nicht unbedingt gut, sorgt aber dafür, dass sie den Kontakt und auch den Umgang mit Anderen nicht so ganz aus den Augen verliert. Ihre Art der Kommunikation ist in der Regel nämlich sehr direkt, klar und deutlich. Das ist gänzlich ohne böse Absicht gemeint, kommt aber ungedrosselt oft viel zu scharf rüber, das will geübt werden. 

Abgesehen davon ist auch die Unabhängigkeit am Ende des Tages ein Mensch und braucht sozialen Kontakt… auch, wenn ihr das nicht in den Kram passt. 🤷‍♀️

Also liebe Unabhängigkeit hab ein Auge drauf, dass du nicht zu sehr abkapselst. 

„Wer bin ich und wenn ja wie viele?“

Und weil es an dieser Stelle nahezu immer kommt, weise ich noch einmal drauf hin. Wir tragen von allen vier Freunden Anteile in uns, sind nie nur eine:r dieser Typen und… wir reagieren situativ unterschiedlich. So einfach ist die Wundertüte Mensch am Ende des Tages nicht in Schubladen zu stecken. Gut so.

Es gibt zwei eindeutige Merkmale, an denen du merkst, ob es deine Beschreibung war. Du hattest ein breites Grinsen im Gesicht oder du regst dich total über meine Worte auf. So oder so, da ist etwas in Resonanz gegangen und das ist ein gutes Zeichen dafür, dass da etwas für dich drin ist.

Außerdem spielen natürlich ganz viele weitere Facetten in den Bereich Homeoffice hinein, das hätte aber den Rahmen gesprengt. Ich bin also überwiegend von optimalen Bedingungen wie Platz und Ruhe für die Arbeit zu Hause ausgegangen. Ständig eine Katze auf der Tastatur liegen zu haben, bringt selbstredend auch wieder gesonderte Herausforderungen mit sich. 😉

Und was nun tun?

Entwicklung liegt immer auf der anderen Seite. 

Wir stehen daher immer vor der Herausforderung, unseren persönlichen Bedürfnissen gerecht zu werden und dabei auch die Herausforderungen der Gegenstrebung anzunehmen. Für die einzelnen Typen bedeutet das…

Die… 

  • …Wandlung darf sich einer wohldosierten Struktur nähern.
  • …Beständigkeit darf in Veränderungen auch eine Chance entdecken.
  • …Verbundenheit darf das ICH in sich entdecken und zulassen.
  • …Unabhängigkeit darf sich offen dem DU stellen. 

Nun ist es an der Zeit, dich mit deinen Gedanken dazu allein zu lassen, denn ich werde jetzt, an meiner wohldosierten Struktur schrauben. Allein natürlich. 😉

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4 Kommentare

  1. Danke für diesen großartigen Beitrag! Es ist eine totale Bereicherung, dass Lösungsansätze, wie wir mit dem digitalen Alltag zurechtkommen, individuell sind und kein „one size fits all“!

    Antworten
    • Ich danke dir für die Inspiration diesen Beitrag zu schreiben.
      „one size fits all“, wo passt das schon wirklich ohne, dass wir Abstriche machen müssen.
      Wenn es darum geht dauerhaft zufrieden mit uns und in diesem Fall unserer Arbeit zu sein, dann lohnt sich schon der Blick auf das, was für UNS wirklich passt.

      Antworten
  2. Liebe Britta,

    vielen Dank für diese für mich völlig neue Sicht auf mein geliebtes Home-Office! Ich sehe mich selbst stark in der Beständigkeit und der Unabhängigkeit verortet und ja, wenn ich nicht meine „Mädels“ in den Kursgruppen hätte, kämen die sozialen Kontakte viel zu kurz!

    Sonnige Grüße
    Claudia

    Antworten
    • Liebe Claudia,

      du die Prozesse, ich die Menschen.
      Besonders, wenn diese sich in den Prozessen verheddert haben, wie mir das gerne bei der Contentplanung passiert 😂. Es gibt aber auch so viele schöne und verlockende Möglichkeiten.
      Online-Business ist übrigens die perfekte Antwort auf die Kombi Beständigkeit und Unabhängigkeit. Dazu könnte ich ja auch mal was schreiben. Hmmm…

      Hab eine schöne und erholsame Zeit.
      Bis bald
      Britta

      Antworten

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Britta Ludwig

Ich bin Britta Ludwig
In meinem Blog schreibe ich über ICHgerechtes Leben und Arbeiten. Über Persönlichkeitsentwicklung, Hypnose, Train the Trainer Themen und natürlich über mein Lieblingstool, das Riemann-Thomann-Modell.




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