Die 7 Irrtümer bei der Arbeit mit dem Riemann-Thomann-Modell

von | 08.10.2021 | Riemann-Modell

Das Riemann-Thomann-Modell ist einfach, schnell verständlich und so vielseitig einsetzbar wie ein Schweitzer Taschenmesser – das liebe ich so an ihm. Nur auf der Ebene typischer Verhaltensmuster verharrend, kommt man aber über die Einschätzung „spannend“ selten in die wirkliche Arbeit mit dem Modell. 

Das finde ich sehr schade, denn das Riemann-Thomann-Modell hat uns wirklich viel zu bieten. Für unsere eigene Selbstkenntnis wie auch für die Arbeit im Coaching und Training. Auch ganz grundsätzlich im Umgang mit Menschen und sind wir doch mal ehrlich, das ist doch die ganz große Kunst im Leben. Ein guter Umgang mit Anderen und uns selbst.

Das Riemann-Thomann-Modell für mich ein Allrounder

Mit dem Riemann-Thomann-Modell, besser gesagt mit dem Konzept von Fritz Riemanns Buch „Grundformen der Angst“ beschäftige ich mich seit mehr als 25 Jahren. Es begleitet mich beinahe täglich durch nahezu alle Lebenssituationen.

In Seminaren oder auch in Gesprächen über das Modell begegnen mir dabei immer wieder dieselben Irrtümer, die uns ordentlich ausbremsen können.

Räumen wir diese sieben Irrtümer doch mal eben aus dem Weg. Los geht’s.

1. Sich von Fertigkeiten in die Irre führen lassen.

Es ist aber auch wirklich verlockend und auch ich bemühe zur Veranschaulichung gerne das Klischee. Oft passt es auch aber keineswegs immer. Gerade bei der Arbeit im Coaching lohnt hier ein genauer Blick.

Dinge die wir häufig tun und daher gut können sagen nicht unbedingt etwas darüber aus, wer wir im Innersten sind und was uns liegt! Der feine Unterschied zwischen Fertigkeit und Fähigkeit.

Ist jemand zum Beispiel gut im Umgang mit Zahlen bedeutet das noch lange nicht, dass wir es mit einem echten Dauer-Typen zu tun haben. Jemand, der gut im Kontakt und fürsorglich ist, muss längst kein Nähe-Typ sein. Und ich zum Beispiel bin recht strukturiert und das scheint mir, dem Feedback nach, auch auf der Stirn zu stehen. Als mir mal jemand sagte, ich sei eine „Blaue“ und mir müsse man nur genug Zahlen, Daten, Fakten bieten, damit ich ein Produkt kaufe, da habe ich sehr herzlich gelacht.

Hier genauer hinzuschauen kann ein großer Hebel für mehr Zufriedenheit sein. Besonders in Krisen und Zeiten von Erschöpfung lohnt es sich, hellhörig zu werden. Es kostet viel Kraft, dauerhaft etwas zu leben, was lediglich ein antrainiertes Muster ist und nicht unseren naturgegebenen Anlagen entspricht.

2. Anlage von erlerntem Muster nicht zu trennen.

Zwei wichtige Teile prägen unsere Persönlichkeit. Einmal unsere Anlage, das, was uns von Natur aus mitgegeben wurde. Die Eigenschaften, die einfach da sind, ganz ohne unser zutun. 

Andererseits die erlernten Muster. Es geht auch schon früh im Leben los, dass wir ein bestimmtes Verhalten lernen müssen, um im Leben zurechtzukommen. Das mag mal mehr, mal weniger unseren Anlagen entsprechen.

Der Anlage völlig entgegengesetzte Verhaltensmuster zu lernen hat einige Vorteile. Wir erweitern unseren Handlungsspielraum und unsere Kompetenzen, mit unterschiedlichsten Situationen zurechtzukommen. Im Riemann-Thomann-Modell zeigt sich das meist an einem recht ausgeprägten und nahezu quadratischen Heimatgebiet.

Schwierig wird es, wenn wir unser Muster nicht mehr von der Anlage unterscheiden können. Dann agieren wir vielleicht nur noch aus dem antrainierten Verhalten, verlieren den Kontakt zu unserem Selbst und dem, was uns eigentlich sehr viel mehr entsprechen würde. Das ist wie Fahren mit angezogener Handbremse. Kostet Sprit, Gummi und man kommt nur mühsam vom Fleck. Liest sich anstrengend? Ist es auch. Burnout wie Boreout lassen grüßen.

3. Darauf beharren ALLES zu sein.

Seit ich Seminare zum Riemann-Thomann-Modell anbiete, gibt es Menschen die sich wie ein Fels in der Brandung in der Mitte positionieren und darauf beharren alles zu sein. „Alles“ meint, alle vier Typen ausgeprägt zu haben und sich deswegen für keine Seite entscheiden zu können. Inzwischen finde ich das ganz witzig, denn es sind immer dieselben Typen Menschen die das tun. 😉

Das ist natürlich auch ganz richtig, wir haben alle von allen vier Typen einen Anteil und je größer der ausgeprägt ist, umso leichter können wir uns auf dieser Achse bewegen. Dennoch haben wir eine oder zwei Seiten mehr ausgeprägt und wir tun gut daran, diese zu kennen. 

Wenn ich meine ausgeprägteren Seiten kenne, kann ich auch dafür sorgen, dass die Dinge so sind, wie sie mir guttun. Zeige ich keine klare Kante, dann bin ich wie das Fähnchen im Wind. Mit ICHgerecht hat das meist wenig zu tun. 

Sabine Asgodom sagte mir einmal: Nur ein geschliffener Diamant ist wertvoll und die haben Ecken und Kanten. 

4. Keine Unterscheidung zu machen, ob wir aus Freude oder aus Angst handeln.

Der Unterschied zwischen dem Hin-Zu und dem Weg-Von spielt im Riemann-Modell auch eine sehr große Rolle. 

Ich kann mich zum Beispiel der Perfektion hingeben aus Leidenschaft, mit dem Blick eines Adlers auf das kleinste Detail stürzen. Oder aus Angst, der Angst vor Fehlern und letztlich Strafe. Ich sehe in Riemann daher drei Ausprägungen. Die normale Ausprägung, die übersteigerte – deutliche Ecken und Kanten – und die, die wir zeigen, wenn die Angst unser Handeln bestimmt. So kann aus einer aus Angst gesteuerten Nähe ein ziemlich oberflächlicher, egoistischer Mensch werden. Spannend, oder?

Angst ist grundsätzlich nichts Schlechtes, ob sie aber der beste Ratgeber ist… na, da habe ich so meine Bedenken. In jedem Fall ist es ein guter erster Schritt zu erkennen, ob wir aus Angst handeln (um etwas zu vermeiden) oder aus Freude.

Nicht der einfachste Punkt im Riemann-Modell, er erfordert Ehrlichkeit und Mut hinzuschauen. Vielleicht ist es genau deswegen der Punkt mit dem größten Wachstumspotenzial für unser Seelenleben.

5. Das Modell nicht systemisch zu betrachten.

Das Denken in Schubladen hat immer einen Haken – die Umstände. Und da haben die in der Mitte Stehenden schon ganz recht mit ihrer Aussage „Ich bin mal so und mal so“. 

Wir verhalten uns nie gleich. Wir sind auch nicht immer gleich. Es gibt gute und schlechte Tage, nette und doofe Begegnungen. Tage mit Zahnschmerz laufen in der Regel auch anders als die, in denen wir uns fühlen wie ein junges Reh. 

Was uns selbst betrifft, ist es gut rauszufinden, unter welchen Umständen wir uns in welchem Quadranten bewegen. Versuchen wir, andere einzuschätzen, sollten wir immer im Hinterkopf haben, dass wir längst ein Teil deren Systems sind und wir nicht mehr sagen können, ob das Verhalten des Gegenübers wirklich das eigene oder nur eine Reaktion auf uns ist. Es bleibt spannend.

6. Vom Verhalten (allein) auf den Typ zu schließen.

Aus all den oben genannten Gründen kann es nur schief gehen, wenn wir vom Verhalten allein auf einen Typen schließen. Denn wir wissen nicht, worauf das, was wir wahrnehmen basiert. Das WAS wir tun, ist daher sehr viel weniger wichtig, als das WARUM wir etwas tun oder sind. 

Nehmen wir das Beispiel einer Person, die gerne andere führt. Das kann ein Wechsel sein aus dem Bedürfnis heraus, im Rampenlicht zu stehen. Eine Distanz, denn es ist der sicherste Weg, das zu bekommen, was man selbst will. Die Dauer würde auch führen, und zwar aus dem Bedürfnis nach Hierarchie und Macht. Das WAS ist immer gleich, das WARUM ein himmelweiter Unterschied. 

Wenn wir mit einer Person klarkommen wollen, tun wir also gut daran, auch einen Blick hinter das gezeigte Verhalten zu werfen. Denn da liegt auch der Hebel für gelingende Beziehung. 

Außerdem… hier wird es doch erst richtig spannend. 😉

7. Das Riemann-Thomann-Modell nicht anzuwenden.

Der größte Fehler ist natürlich, das Modell gar nicht anzuwenden. Es irgendwo in den Gehirnwindungen verstauben zu lassen anstatt am ICHgerechten Leben zu arbeiten. Ob das nun das eigene Leben und Arbeiten oder das unserer Coachees und Teilnehmenden ist. 

Das Wissen um das, was uns Kraft gibt, was uns auslaugt, ist der Schlüssel für eine gute Selbstfürsorge und der Weg zur Zufriedenheit. 

Das heißt nicht, dass wir nicht trotzdem mal den Verlockungen erliegen und in die für uns falsche Richtung laufen aber wir können es bemerken, innehalten und dem Gefühl von „Bitte wenden“ im Inneren folgen. 

Ist das immer einfach? Nein. Auf keinen Fall. Aber wie heißt es so schön, wo die Angst ist, ist der Weg. 

Buh. Ganz schön viele Fallstricke, die ein eigentlich so einfaches und anschauliches Modell für uns bereithält. Das Schöne daran, wir müssen gar nicht alles richtig machen. Es ist viel mehr ein Spiel aus Möglichkeiten, Überprüfungen und Angeboten. Wichtig dabei ist nur eines, demütig die eigenen Hypothesen in den Papierkorb befördern zu können. 

Denn es geht nicht darum, Sitzplätze in Schubladen zu verteilen, sondern ein Werkzeug an der Hand zu haben, welches uns dabei unterstützt immer mehr zu der Person zu werden, die wir längst sind. Wie ein Steinmetz all das abzutragen, was uns einengt und gar nicht zu uns gehört.

Riemann schrieb auf die Frage warum er das Buch schreibe: „Dem Einzelnen Leben zu helfen“. Und dabei hilft uns Etikettierung so überhaupt nicht weiter. Wirkliche Hilfe wird erst dann möglich, wenn wir beginnen die Menschen in ihrem Wesen zu erfassen und sie dabei zu unterstützen, ihr wahres Wesen auch zu leben. Anfangen dürfen wir dabei natürlich bei uns selbst.

Wenn du Riemann in deinen Alltag und in deine Arbeit integrieren möchtest, dann sei bei der Fortbildung zum Riemann-Thomann-Modell dabei.

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Britta Ludwig

Ich bin Britta Ludwig
In meinem Blog schreibe ich über ICHgerechtes Leben und Arbeiten. Über Persönlichkeitsentwicklung, Hypnose, Train the Trainer Themen und natürlich über mein Lieblingstool, das Riemann-Thomann-Modell.




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